Pflegeantrag bei Kindern mit einer ADHS

Voraussetzungen beim Pflegeantrag bei Kindern mit einer ADHS

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Pflegeantrag bei Kindern mit einer ADHS

Was verstehen Fachleute unter einer ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Dahinter verbirgt sich eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Man nimmt an, dass etwa 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter krankhaften Störungen der Aufmerksamkeit und an moto-rischer Unruhe leiden.

Charakteristisch für ADHS sind lt. Bundesgesundheitsministerium folgende drei Hauptsymptome:

  • Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang)
  • Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit)
  • Impulsivität (unüberlegtes Handeln)

Grundsätzlich wir derzeit zwischen einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) und dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) unter-schieden.

ADHS wieder eine dieser „modernen Krankheiten“?

Keineswegs handelt es sich bei ADHS um eine Diagnose unserer modernen Zeit! ADHS ist keine neue Beeinträchtigung und ADHS wurde auch nicht etwa erst vor wenigen Jahren entdeckt!

Sie alle kennen vermutlich noch die Geschickten vom „Struwelpeter“ und vom „Zappelphilipp“?! Diese Geschichten entstammen der Feder eines Psychiaters, nämlich Heinrich Hoffmann (1809 – 1894). Heute gilt er als der erste Vertreter der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

(Quelle: http://www.adhs.de)

Allerdings ist es in der heutigen Zeit z. B. normal dass beide Elternteile (Mutter und Vater) von betroffenenen Kindern arbeiten gehen und u. a. dadurch sind die Herausforderungen durch ADHS eben offensichtlicher geworden.

Betroffene Familien benötigen jede Hilfe, die ihnen zur Verfügung steht!

Wann ist ein Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad sinnvoll?

Ein Antrag ist immer dann sinnvoll und notwendig, wenn das betroffene Kind auf einen Hilfebedarf und eine Unterstützung angewiesen ist, die nicht der eines gleichaltrigen, gesunden Kindes entspricht.

Voraussetzungen an die Gutachter (m/w) bei Prüfung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern (siehe neues Pflegestärkungsgesetz):

  • bei Kindern ist die Prüfung der Pflegebedürftigkeit in der Regel durch besonders geschulte Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes oder andere unabhängige Gutachterinnen und Gutachter mit einer Qualifikation als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder als Kinderarzt vorzunehmen.

Fragen Sie den Gutachter (m/w) nach seiner Qualifikation.

Bewertung des Hilfebedarfs bei Kindern mit einer ADHS

Beim Verfahren der Feststellung von Pflegebedürftigkeit wird der Grad der Selbst-ständigkeit, die kognitiven Fähigkeiten und die psychischen Probleme ermittelt und nach den gesetzlichen Vorgaben bewertet.

Eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder der Firma Medicproof (bei privatversicherten Antragstellern) umfasst folgende gesetzlich festgelegte Ermittlungen:

  • Angaben im Gutachten zur antragstellenden Person, zur Untersuchung und zur beantragten Leistung
  • pflegerelevante Vorgeschichte und derzeitige Versorgungssituation
  • pflegerelevante Fremdbefunde
  • pflegerelevante Vorgeschichte (Anamnese), medizinische und pflegerische Angaben unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Selbständigkeit oder die Fähigkeiten
  • vorhandene Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel, Nutzung
  • pflegerelevante Aspekte der Versorgungs- und Wohnsituation
  • Präsenz der Pflegeperson(-en) in Rufnähe am Tage
  • gutachterlicher Befund
  • pflegebegründende Diagnose(n)

Aus der pflegerelevante Vorgeschichte, den Erkenntnisse der Befunderhebung (gutachterlicher Befund) und den pflegebegründenden Diagnosen leitet sich der Grad der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten ab. Im Rahmen des Verfahrens zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit werden die ermittelten Erkenntnisse in die jeweiligen Tabellen eingetragen.

Im Modul 1 (entfällt bei Kindern im Alter bis zu 18. Monaten) wird die Mobilität des Kindes überprüft.
Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob das Kind in der Lage ist ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen, zu wechseln und sich fortzubewegen. Zu beurteilen sind ausschließlich motorische Aspekte wie Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination etc. und nicht die zielgericht-ete Fortbewegung.

Geprüft werden muss die Selbstständigkeit beim:

Positionswechsel im Bett

  • Einnehmen von verschiedenen Positionen im Bett, Drehen um die Längsachse, Aufrichten aus dem Liegen.

Halten einer stabilen Sitzposition

  • sich auf einem Bett, Stuhl oder Sessel aufrecht halten

Umsetzen

  • von einer erhöhten Sitzfläche, Bettkante, Stuhl, Bank, Toilette etc., aufstehen und sich auf einen Rollstuhl, Toilettenstuhl, o. ä. umsetzen

Bei Kleinkindern ist auch das Aufstehen vom Fußboden bzw. z. B. das Hoch-ziehen vom Boden zum Stand zu bewerten.

Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs

  • sich innerhalb einer Wohnung oder im Wohnbereich einer Einrichtung
    zwischen den Zimmern sicher bewegen.

Das kann ggf. unter Nutzung von Hilfsmitteln, z. B. Unterarmgehstützen, Rollator, Rollstuhl oder sonstiger Gegenstände, z. B. Möbelstück geschehen. Als Anhaltgröße für übliche Gehstrecken innerhalb einer Wohnung wird mindestens 8 Meter festgelegt. Die Fähigkeiten zur örtlichen Orientierung und zum Treppensteigen sind unter Punkt KF 4.2.2 bzw. Punkt KF 4.1.5 zu berücksichtigen.

Treppensteigen

Überwinden von Treppen zwischen zwei Etagen Treppensteigen ist unabhängig von der individuellen Wohnsituation zu bewerten.

Der Gutachter (m/w) muss den Grad der Selbstständigkeit wie folgt ermitteln:

  • selbstständig
  • überwiegend selbstständig
  • überwiegend unselbstständig
  • unselbstständig

Im Modul 2 werden die überprüften kognitiven Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen eingetragen.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen unter anderem

Im Modul 3 muss ermittelt werden, bei welchen der nachfolgenden Verhaltens-weisen und psychischen Problemlagen eine personellen Unterstützung erforderlich ist.

Der Gutachter (m/w) muss ermitteln, wie häufig eine personelle Unterstützung erforderlich ist.

  • nie oder sehr selten
  • selten (ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen)
  • häufig (zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich)
  • täglich

Im Modul 4Selbstversorgung“ finden sich, je nach Ausprägung Anforderungen an die Angehörigen.

Der Gutachter (m/w) muss ermitteln, welche Beeinträchtigungen einen Hilfebedarf bei den einzelnen Verrichtungen notwendig machen.

Hierbei ist es unerheblich ob die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit aufgrund von Schädigungen somatischer (körperlicher) oder mentaler (geistiger) Funktionen bestehen.

Für folgende Verrichtungen muss der Grad der Selbstständigkeit vom Gutachter (m/w) ermittelt werden:

Der Gutachter (m/w) muss den Grad der Selbstständigkeit ermitteln:

  • selbstständig
  • überwiegend selbstständig
  • überwiegend unselbstständig
  • unselbstständig

Die Art und der Umfang des Hilfebedarfs ist sehr unterschiedlich.

Gerade bei Kindern mit der Diagnose ADHS oder ADS kann es sein, dass das Kind häufig motiviert und angeleitet werden muss, um z.B. mit der selbständigen Körperpflege zu beginnen bzw. sie adäquat zu Ende zu führen.

Es kann genauso erforderlich sein, über die Motivierung und Anleitungen hinaus Teilübernahmen bis hin zur kompletten Übernahme einer Verrichtung durchzu-führen, z.B. bei Verweigerungshaltung des Kindes bei der Selbstversorgung oder einem zu langen Zeitaufwand bei der ressourcenorientierten Selbstpflege.

Im Modul 5 finden die sogenannten Behandlungspflegen/Therapien/Arztbesuche Berücksichtigung.

Der Gutachter (m/w) muss ermitteln, welche Maßnahme

  • selbstständig durchgeführt werden kann
  • entfällt
  • Hilfe erfordert

Bei der Häufigkeit wird hier unterschieden:

  • pro Tag
  • pro Woche
  • pro Monat

Im Modul 6 ist zu ermitteln, ob die Gestaltung des Alltagslebens und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte“ einen Hilfebedarf erfordert.

Bereits aus der pflegebegründende Diagnose „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ leitet sich ein Hilfebedarf ab.

  • Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang)
  • Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit)
  • Impulsivität (unüberlegtes Handeln)

Folgende Bereiche des Alltagslebens gilt es in Bezug auf den Grad der Selbst-ständigkeit zu überprüfen:

Der Gutachter (m/w) hat zu ermitteln, ob das Kind:

  • selbstständig
  • überwiegend selbstständig
  • überwiegend unselbstständig
  • unselbstständig ist
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Welcher Pflegegrad bei Kindern mit einer ADHS?

Sind Sie mit der Eingruppierung nicht einverstanden oder sind Sie unsicher, ob der festgestellte Pflegegrad dem Bedarf an fremder Hilfe entspricht, lassen Sie das Gutachten des MDK oder Medicproof von unabhängigen Sachverständigen prüfen.

Zweifeln Sie das Gutachten an und geben Sie sich nicht mit dem Ergebnis zufrieden!

Die Einschätzung der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten und die entsprechende Bewertung unter Bezug auf das neue Begutachtungsassessment (NBA) unterliegt genauen Definitionen.

Wir empfehlen Ihnen eine professionelle, pflegefachliche Einschätzung und Bewertung. Nur mit Fachwissen hat Ihr Widerspruch eine Aussicht auf Erfolg.

Widerspruch lohnt sich zu mindestens 70 Prozent!

Welchen Pflegegrad bekommen Kinder mit einer ADHS erfahrungsgemäß?

Die Eltern oder Pflegeeltern von Kindern mit einer ADHS wenden sich aus dem gesamten Bundesgebiet an die erfahrenen Experten des BWPN. Die unabhängigen Pflegesachverständigen (w/m) stehen seit Jahren den Betroffenen, teilweise über mehrere Instanzen, pflegefachlich mit Sachverstand und Erfahrung zur Seite und konnten auf diese Weise schon sehr vielen Familien zu gerechten Leistungen verhelfen.

Aber welchen Pflegegrad erhalten denn nun andere Kindern mit einer ADHS?

Wir können erneut nur unsere eigene Erfahrung veröffentlichen. Auch wenn es deutlich mehr Menschen mit einer solchen Störung gibt als wir bisher betreut haben, so haben unsere Erkenntnisse aufgrund der vielen erfolgreichen Fälle der letzten Jahre doch irgendwie auch einen repräsentativen Charakter.

Nachfolgend veröffentlichen wir dazu die tatsächlichen (gerundeten) Zahlen.

30 %

Pflegegrad 1

60 %

Pflegegrad 2

10 %

Pflegegrad 3

Die Quelle der oben genannten Quoten ist unsere interne Auswertung. Welcher Pflegegrad bei Kindern mit einer ADHS tatsächlich notwendig ist hängt, wie oben dargestellt, immer vom individuellen Einzelfall ab.

Die Pflegegrade 4 und 5 haben wir unerwähnt gelassen, weil Kinder mit einer ADHS zwar gemäß des NBA gewiss Leistungen der Pflegekasse zustehen und die Familien diese auch dringend benötigen, in der Praxis führen die ADHS-Diagnose allein aber eher nicht zu einem höheren Pflegegrad als Pflegegrad 3.

Bild 1: (c) Bundesweites Pflegenetzwerk (BWPN)

Häufige Fragen zum Widerspruch nach Pflegeantrag bei ADHS

Wie lang ist die Bearbeitungszeit nach einem Pflegegrad-Widerspruch?2020-04-30T13:07:47+02:00

Regelmäßig informieren uns Pflegebedürftige darüber, dass Mitarbeiter(innen) der zuständigen Pflegekassen teilweise haarsträubende Bearbeitungszeiten nennen, wenn es um einen Pflegegrad-Widerspruch geht. Selbstverständlich wird dabei nicht vergessen eine Empfehlung auszusprechen „lieber den Widerspruch zurücknehmen und einen neuen Antrag stellen„.

Ein Neuantrag ist anstelle eines Widerspruchs keine Lösung!

In der Praxis vergehen nach Einreichung der Gegengutachten unserer unabhängiger Sachverständigen (w/m), im Rahmen vorgerichtlicher Widerspruchsverfahren, durchschnittlich sechs Wochen bis zum Widerspruchsbescheid der Pflegekasse.

Selbstverständlich gibt es auch Widerspruchsverfahren gegen einen Bescheid, oder besser gegen das Gutachten, der Pflegekassen, die mehr Zeit beanspruchen. Aber es gibt auch Verfahren, in denen bereits nach vier Wochen der entsprechende Bescheid vorliegt.

Stellungnahme zu längeren Bearbeitungszeiten der Pflegekassen

Einleitung zum besseren Verständnis

Die Pflegeversicherung wurde in Deutschland im Jahr 1995 eingeführt/etabliert. Die unabhängige Unterstützung der Sachverständigen des bundesweiten Pflegenetzwerks (BWPN) gibt es seit 1998. Wird dürfen also behaupten auf die Erfahrung „der ersten Stunden“ zurückgreifen zu können. Diese Erkenntnis ist insofern relevant, weil wir das Verhalten der Pflegeversicherung, und somit das Verhalten in verschiedenen Regionen, ja sogar einzelner Sachbearbeiter, seit Jahren kennenlernen durften und auch zukünftig beobachten werden.

Unsere persönliche Erfahrung zu längeren Bearbeitungszeiten

Eines haben ALLE Verfahren, die in all den Jahren länger als sechs Wochen (nach Einreichung einer stichhaltigen Argumentation) benötigt haben gemeinsam:

Es handelt sich um besonders willkürliches Verhalten!

Im Grunde genommen konnten wir in keinem einzigen dieser Verfahren einen ernsthaft nachvollziehbaren Grund für eine übermäßige Bearbeitungszeit erkennen. Ganz selten, z. B. in der Ferienzeit oder ggf. zur Weihnachtszeit, können mal 1-2 Wochen mehr vergehen, die sich natürlich erklären lassen.

In allen anderen Fällen handelt es sich um eine Art „Verschleppung“, die bis auf die Sachbearbeiterebene herunter geht.

Es gehört also schon eine ganze Menge Selbstverstrauen dazu, wenn die Mitarbeiter(innen) der Pflegekassen aufgrund dieser „verschleppten“ Fälle, eine so unnötig verlängerte Bearbeitungszeit nutzen, um Betroffene von einem Widerspruch gegen einen Pflegegrad abzuhalten.

Das Ganze nennt sich dann Pflegeberatung?!

Unsere Kernkompetenzen

Pflegegrad beantragen

Wir helfen Ihnen kostenlos beim Antrag auf einen Pflegegrad und geben Ihnen Tipps für die Begutachtung!

Pflegegrad höherstufen

Unsere Experten unterstützen Sie mit pflegefachlichem Sachverstand bei der Höherstufung des Pflegegrades!

Pflegegrad Widerspruch

Unabhängige Sachverständige erreichen mit fundierten Gegengutachten den höchst möglichen Pflegegrad im Widerspruch!

Reicht es, in der Widerspruchsbegründung die Punkte aufzuführen, die der Gutachter übersehen oder falsch dokumentiert hat?2019-09-30T10:48:38+02:00

Nein!

Wurde Ihr Pflegegrad abgelehnt oder zu gering eingestuft und Sie legen Widerspruch gegen den Bescheid der Pflegekasse ein, führt eine reine Gegendarstellung in der Praxis eher nicht zum Ziel!

Um mit einem Widerspruch gegen das MDK-Gutachen, bzw. gegen den Bescheid der Pflegekasse, Erfolg zu haben, ist es notwendig Argumente zu liefern, die sich auf das „Neue Begutachtungsassessment (NBA)“ berufen. Das ist eine Arbeit für Pflegesachverständige, die sich mit diesen Regeln auskennen.

Geben Sie nicht mit dem Bescheid der Pflegekasse zufrieden!
Die Pflegekasse setzt mir zur Einreichung der Widerspruchsbegründung eine Frist. Muss ich diese einhalten?2019-05-23T13:18:10+02:00

Die Frist der Pflegekasse ist nicht rechtlich bindend, sollte aber nicht kommentarlos übergangen werden. Empfehlenswert ist es, die Pflegekasse um schriftliche Fristverlängerung zu ersuchen.

Bedenken Sie aber, dass der Hilfebedarf zu einem späteren Zeitpunkt schwerer rückwirkend nachgewiesen werden kann und es daher immer sinnvoll ist, sich für die Begründung nicht zu viel Zeit zu lassen.

Kann es mir passieren, dass im Widerspruchsverfahren der gleiche Gutachter nochmal kommt?2019-05-23T13:15:44+02:00

Nein. Wenn es im Widerspruchsverfahren zu einer erneuten Begutachtung im Hausbesuch kommt, haben Sie das Recht, dass ein anderer Gutachter (w/m) kommt. Es darf nicht der/die gleiche sein wie in der Erstbegutachtung des gleichen Verfahrens.

Es muss ein anderer Gutachter (w/m) im Widerspruchsverfahren die Begutachtung durchführen!

Meldet sich ein Gutachter (w/m) bei Ihnen an, mit dem Sie früher bereits negative Erfahrungen gemacht haben, raten wir Ihnen, diesen wegen Befangenheit abzulehnen und um einen anderen Gutachter zu bitten.

Muss die Widerspruchsbegründung auch innerhalb eines Monats bei der Pflegekasse eingehen?2019-05-23T13:09:44+02:00

Nein. Die Begründung darf später nachgereicht werden. Innerhalb der Monatsfrist reicht es, formlos zu widersprechen und die folgende Begründung anzukündigen.

Wenn alles korrekt bei der Pflegekasse abwickelt wird (das ist leider nicht immer der Fall) erhalten Sie nach Eingang des formlose Widerspruchs eine Eingangsbestätigung. In dieser Eingangsbestätigung teilt die Pflegekasse meistens eine Frist mit. Bis zum genannten Datum erwartet die Pflegekasse dann die entsprechende Begründung.

Die genannte Frist sollte eingehalten werden, kann aber jederzeit verlängert werden!

Grundsätzlich ist es, im eigenen Interesse, sinnvoll ein Widerspruchsverfahren möglichst schnell zu bearbeiten. Sollten Sie aber die genannte Frist überhaupt nicht einhalten können, ist jederzeit eine Fristverlängerung bei der Pflegekasse möglich.

Warum werden die meisten privaten Widersprüche abgelehnt?2019-05-22T16:59:09+02:00

Es stimmt! Nur rund 10 % aller privat formulierten…oder besser angefertigten…Widerspruchsbegründungen führen zu einem Abhilfebscheid der Pflegekasse. In den meisten Fällen werden diese Widerspruchsverfahren sogar ohne neue Begutachtung, also nach Aktenlage, abgelehnt.

Aber warum ist das so?

Privatpersonen argumentieren nicht etwas gemäß der Regeln und halten sich dabei an das Neue Begutachtungsassessment (NBA). Privatpersonen formulieren fast immer emotional beschreiben mit viel Fleiß und Mühe den hohen Aufwand der täglichen Pflege.

Der Leser des Widerspruchs ist allerdings kein sentimentaler Mensch, sondern ein gestandener und im Normalfall sachlogisch denkender Gutachter (w/m) des MDK. Ein solcher Gutachter (w/m) interessiert sich nicht, oder nur sehr bedingt, für die täglichen Probleme pflegebedürftiger Menschen und noch weniger sind die tatsächlichen Probleme der pflegendenen Angehörigen relevant.

Schon aus rein beruflichen Gründen überzeugen einen solchen Gutachter (w/m) ausschließlich sachliche und fachliche Argumente, die sich zu dem auch noch auf das NBA stützen.

Wie muss ich den Widerspruch bei der Pflegekasse einreichen?2019-05-22T16:24:12+02:00

Grundsätzlich haben Sie die drei nachfolgenden Möglichkeiten einen Widerspruch gegen den Bescheid einer Pflegekasse einzureichen.

  • Schriftlich auf dem Postweg (per Einschreiben)
  • Schriftlich per Telefax
  • Zur Niederschrift (diktieren) in einer Geschäftsstelle Ihrer Pflegekasse

Wir empfehlen die Schriftform auf dem Postweg und per Einschreiben-Einwurf. Damit haben Sie einen schriftlichen Nachweis über die fristgerechte Zustellung.

Für welchen Weg Sie sich auch immer entscheiden, denken Sie unbedingt an die Einhaltung der Monatsfrist!

Der Versand eines Widerspruchs per E-Mail ist zwar generell möglich, aber definitiv nicht zu empfehlen!

Wie lange habe ich Zeit für einen Widerspruch?2019-05-14T12:39:03+02:00

Ein Widerspruch gegen den Bescheid einer Pflegekasse muss innerhalb eines Monats bei der Pflegekasse vorliegen. Dazu reicht es zunächst aus fristwahrenden Widerspruch einzulegen und darauf hinzuweisen, dass eine fachliche Widerspruchsbegründung nachgereicht wird.

Dabei ist das Datum des Bescheids der Pflegekasse maßgeblich. Es ist weniger relevant wann der Bescheid bei Ihnen zugestellt wurde.

Die Postlaufzeit liegt streng genommen also nicht etwa in der Verantwortung der Pflegekasse!

Kümmern Sie sich so zeitnah wie möglich um eine unabhängige pflegefachliche Beratung und rufen Sie am besten umgehend unter 0800/611 611 1 die Experten des bundesweiten Pflegenetzwerkes an. Kosten entstehend Ihnen durch ein solches Telefonat nicht!

Erst selbst versuchen und dann fachliche Hilfe beanspruchen?2019-03-12T11:01:41+02:00

Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise durchaus möglich, denn nach einem erfolglosen „Versuch“ bleibt ja noch der Widerspruchsausschuss und selbst danach können Profis noch das Klageverfahren begleiten.

Allerdings kostet jede einzelne Instanz eben auch Zeit. Darüber hinaus ist die Erfolgsaussicht zu Beginn (Anhörungsverfahren) für erfahrene Sachverständige (w/m) am höchsten. Das hat rein formale Gründe und hat nichts mit der Qualität der Arbeit unserer unabhängigen Sachverständigen (w/m) zu tun.

Statistisch sind nur rund 10 % aller privat formulierten Widerspruchsbegründungen erfolgreich. Wegen einer solch geringen Aussicht sollten Sie nicht die dringend notwendigen Leistungen der Pflegekasse aufs Spiel setzen und immer sofort nach Vorliegen eines entsprechenden Bescheids fachliche Hilfe beanspruchen!

Kann ich den Bericht eines Pflegegrad-Online-Rechners als Begründung einreichen?2019-03-12T10:50:18+02:00

Das ist aus fachlicher Sicht absolut nicht zu empfehlen und wird ganz sicher keinen Gutachter (w/m) des MDK zum Einlenken bewegen!

Riskieren Sie nicht Ihre Möglichkeiten auf gerechte Leistungen durch unsinnige Versprechen aus dem Internet!

Mit der Einführung der Pflegegrade im Jahr 2017 ist auch die Anzahl der Websites mit Informationen zu diesem Thema angestiegen. Viele dieser Websitebetreiber nutzen u. a. den Begriff „Pflegegradrechner“, um zunächst potenzielle Interessenten für eigene Dienstleistungen, dazu zu bewegen die eigene Website zu besuchen.

Leider suggieren alle Websitebetreiber langjährige Erfahrung und Kompetenz im Pflegebereich. Auf einige trifft dies auch durchaus zu, auf sehr viele leider nicht. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige benötigen in besonderen Lebenssituationen aber dringend fremde Hilfe und klammern sich dabei gern mal an den viel zitierten Strohhalm.

Die angebotenenen Pflegegradrechner sind kostenlos, erscheinen zeitgemäß und sind sehr einfach und recht zügig zu bedienen. All das verführt geradezu den fertigen Bericht einfach an die Pflegekasse zu senden und denen dadurch mal „klar zu zeigen“ wie schlimm die Pflegesituation tatsächlich ist…

Das klingt verlockend, ist in der Praxis allerdings generell ohne jegliche sachliche Überzeugungskraft!

Reicht ein formloser Widerspruch?2018-10-23T08:50:46+02:00

Die Antwort lautet eindeutig: NEIN!

In den letzten Jahren hat die Annahme zugenommen, dass ein einfacher Widerspruch ohne weitere Begründung ausreicht und dann „muss“ ein neuer Gutachter (w/m) kommen.
In erster Linie liegt diese gefährliche Fehleinschätzung vermutlich an der inzwischen großen Anzahl Websites mit Pflegegradrechnern und teilweise nicht praxisgerechten Empfehlungen.

Das ist absoluter Unsinn!

Eine solche Vorgehensweise führt mit einer über 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit zu einer Ablehnung nach Aktenlage! Bitte nutzen Sie gern eines unserer kostenlosen Formulare und beachten Sie die Monatsfrist. Danach muss aber eine, im besten Fall fachlich fundierte, Begründung…oder noch besser ein fachliches Gegengutachten…nachfolgen -> und zwar immer!

2019-05-14T11:41:54+02:00

Pflegegrade