Was verstehen Fachleute unter einer ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Dahinter verbirgt sich eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Man nimmt an, dass etwa 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter krankhaften Störungen der Aufmerksamkeit und an moto-rischer Unruhe leiden.

Charakteristisch für ADHS sind lt. Bundesgesundheitsministerium folgende drei Hauptsymptome:

  • Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang)
  • Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit)
  • Impulsivität (unüberlegtes Handeln)

Grundsätzlich wir derzeit zwischen einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) und dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) unter-schieden.

ADHS wieder eine dieser „modernen Krankheiten“?

Keineswegs handelt es sich bei ADHS um eine Diagnose unserer modernen Zeit! ADHS ist keine neue Beeinträchtigung und ADHS wurde auch nicht etwa erst vor wenigen Jahren entdeckt!

Sie alle kennen vermutlich noch die Geschickten vom „Struwelpeter“ und vom „Zappelphilipp“?! Diese Geschichten entstammen der Feder eines Psychiaters, nämlich Heinrich Hoffmann (1809 – 1894). Heute gilt er als der erste Vertreter der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

(Quelle: http://www.adhs.de)

Allerdings ist es in der heutigen Zeit z. B. normal dass beide Elternteile (Mutter und Vater) von betroffenenen Kindern arbeiten gehen und u. a. dadurch sind die Herausforderungen durch ADHS eben offensichtlicher geworden.

Betroffene Familien benötigen jede Hilfe, die ihnen zur Verfügung steht!

Wann ist ein Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad sinnvoll?

Ein Antrag ist immer dann sinnvoll und notwendig, wenn das betroffene Kind auf einen Hilfebedarf und eine Unterstützung angewiesen ist, die nicht der eines gleichaltrigen, gesunden Kindes entspricht.

Voraussetzungen an die Gutachter (m/w) bei Prüfung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern (siehe neues Pflegestärkungsgesetz):

  • bei Kindern ist die Prüfung der Pflegebedürftigkeit in der Regel durch besonders geschulte Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes oder andere unabhängige Gutachterinnen und Gutachter mit einer Qualifikation als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder als Kinderarzt vorzunehmen.

Fragen Sie den Gutachter (m/w) nach seiner Qualifikation.

Bewertung des Hilfebedarfs bei Kindern mit einer ADHS

Beim Verfahren der Feststellung von Pflegebedürftigkeit wird der Grad der Selbst-ständigkeit, die kognitiven Fähigkeiten und die psychischen Probleme ermittelt und nach den gesetzlichen Vorgaben bewertet.

Eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder der Firma Medicproof (bei privatversicherten Antragstellern) umfasst folgende gesetzlich festgelegte Ermittlungen:

  • Angaben im Gutachten zur antragstellenden Person, zur Untersuchung und zur beantragten Leistung
  • pflegerelevante Vorgeschichte und derzeitige Versorgungssituation
  • pflegerelevante Fremdbefunde
  • pflegerelevante Vorgeschichte (Anamnese), medizinische und pflegerische Angaben unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Selbständigkeit oder die Fähigkeiten
  • vorhandene Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel, Nutzung
  • pflegerelevante Aspekte der Versorgungs- und Wohnsituation
  • Präsenz der Pflegeperson(-en) in Rufnähe am Tage
  • gutachterlicher Befund
  • pflegebegründende Diagnose(n)

Aus der pflegerelevante Vorgeschichte, den Erkenntnisse der Befunderhebung (gutachterlicher Befund) und den pflegebegründenden Diagnosen leitet sich der Grad der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten ab. Im Rahmen des Verfahrens zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit werden die ermittelten Erkenntnisse in die jeweiligen Tabellen eingetragen.

Im Modul 1 (entfällt bei Kindern im Alter bis zu 18. Monaten) wird die Mobilität des Kindes überprüft.
Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob das Kind in der Lage ist ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen, zu wechseln und sich fortzubewegen. Zu beurteilen sind ausschließlich motorische Aspekte wie Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination etc. und nicht die zielgericht-ete Fortbewegung.

Geprüft werden muss die Selbstständigkeit beim:

Positionswechsel im Bett

  • Einnehmen von verschiedenen Positionen im Bett, Drehen um die Längsachse, Aufrichten aus dem Liegen.

Halten einer stabilen Sitzposition

  • sich auf einem Bett, Stuhl oder Sessel aufrecht halten

Umsetzen

  • von einer erhöhten Sitzfläche, Bettkante, Stuhl, Bank, Toilette etc., aufstehen und sich auf einen Rollstuhl, Toilettenstuhl, o. ä. umsetzen

Bei Kleinkindern ist auch das Aufstehen vom Fußboden bzw. z. B. das Hoch-ziehen vom Boden zum Stand zu bewerten.

Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs

  • sich innerhalb einer Wohnung oder im Wohnbereich einer Einrichtung
    zwischen den Zimmern sicher bewegen.

Das kann ggf. unter Nutzung von Hilfsmitteln, z. B. Unterarmgehstützen, Rollator, Rollstuhl oder sonstiger Gegenstände, z. B. Möbelstück geschehen. Als Anhaltgröße für übliche Gehstrecken innerhalb einer Wohnung wird mindestens 8 Meter festgelegt. Die Fähigkeiten zur örtlichen Orientierung und zum Treppensteigen sind unter Punkt KF 4.2.2 bzw. Punkt KF 4.1.5 zu berücksichtigen.

Treppensteigen

Überwinden von Treppen zwischen zwei Etagen Treppensteigen ist unabhängig von der individuellen Wohnsituation zu bewerten.

Der Gutachter (m/w) muss den Grad der Selbstständigkeit wie folgt ermitteln:

  • selbstständig
  • überwiegend selbstständig
  • überwiegend unselbstständig
  • unselbstständig

Im Modul 2 werden die überprüften kognitiven Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen eingetragen.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen unter anderem

Im Modul 3 muss ermittelt werden, bei welchen der nachfolgenden Verhaltens-weisen und psychischen Problemlagen eine personellen Unterstützung erforderlich ist.

Der Gutachter (m/w) muss ermitteln, wie häufig eine personelle Unterstützung erforderlich ist.

  • nie oder sehr selten
  • selten (ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen)
  • häufig (zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich)
  • täglich

Im Modul 4Selbstversorgung“ finden sich, je nach Ausprägung Anforderungen an die Angehörigen.

Der Gutachter (m/w) muss ermitteln, welche Beeinträchtigungen einen Hilfebedarf bei den einzelnen Verrichtungen notwendig machen.

Hierbei ist es unerheblich ob die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit aufgrund von Schädigungen somatischer (körperlicher) oder mentaler (geistiger) Funktionen bestehen.

Für folgende Verrichtungen muss der Grad der Selbstständigkeit vom Gutachter (m/w) ermittelt werden:

Der Gutachter (m/w) muss den Grad der Selbstständigkeit ermitteln:

  • selbstständig
  • überwiegend selbstständig
  • überwiegend unselbstständig
  • unselbstständig

Die Art und der Umfang des Hilfebedarfs ist sehr unterschiedlich.

Gerade bei Kindern mit der Diagnose ADHS oder ADS kann es sein, dass das Kind häufig motiviert und angeleitet werden muss, um z.B. mit der selbständigen Körperpflege zu beginnen bzw. sie adäquat zu Ende zu führen.

Es kann genauso erforderlich sein, über die Motivierung und Anleitungen hinaus Teilübernahmen bis hin zur kompletten Übernahme einer Verrichtung durchzu-führen, z.B. bei Verweigerungshaltung des Kindes bei der Selbstversorgung oder einem zu langen Zeitaufwand bei der ressourcenorientierten Selbstpflege.

Im Modul 5 finden die sogenannten Behandlungspflegen/Therapien/Arztbesuche Berücksichtigung.