Pflegeantrag bei Kleinkindern

Voraussetzungen beim Pflegeantrag für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder

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Pflegeantrag bei Kleinkindern

Einleitung zum Pflegeantrag bei Kleinkindern

In diesem Beitrag geht es nicht allein um einen Pflegeantrag bei Kleinkindern, sondern u. a. auch um Pflegegrade bei Kindern sowie generell um Pflegeleistungen bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Kindern.

Über diese besondere Personengruppe einen eigenen Beitrag zu schreiben ist unseren Experten ein besonderes Bedürfnis. Denn unsere Arbeit der letzten 22 Jahre hat uns gezeigt das es zwar generell die gleichen Ansprüche auf Leistungen der Pflegeversicherung gibt, diese aber allzu gern vorenthalten werden soll.

Seit 1998 konnten wir im gesamten Bundesgebiet, allein bei Kleinkindern, in mehr als 5.000 Fällen höhere Pflegestufen/Pflegegrade erreichen.

Das ist nur durch pflegefachlichen Sachverstand, sehr viel Empathie und selbstverständlich durch jahrelanger Erfahrung möglich!

Pflegebedürftigkeit bei Kindern

Seit dem 1. Januar 2017 ist der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wirksam und das neue Begutachtungsinstrument umgesetzt. Auf dieser Grundlage kann Pflegebedürftigkeit nun auch bei Kindern besser abgebildet werden.

Bei Kindern ist die Prüfung der Pflegebedürftigkeit in der Regel durch besonders geschulte Gutachterinnen und Gutachter mit einer Qualifikation als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder als Kinderarzt vorzunehmen.

Der Pflegegrad wird bei pflegebedürftigen Kindern durch einen Vergleich der Beeinträchtigungen ihrer Selbstständigkeit und ihrer Fähigkeiten mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt.

Besonderheit bei der Einstufung von Kindern bis zum 18. Lebensmonat

  • Eine Besonderheit besteht bei der Begutachtung von Kindern bis zu 18 Monaten. Kinder dieser Altersgruppe sind von Natur aus in allen Bereichen des Alltagslebens unselbstständig.
  • Sie werden bis zum Erreichen des 18. Lebensmonats per Gesetz einen Pflegegrad höher eingestuft, als sie aufgrund ihrer in der Begutachtung erreichten Punktzahl sonst erreichen würden. Damit werden häufige, für die Familien belastende Begutachtungen in den ersten Lebensmonaten vermieden und die Familien werden in den ersten Lebensmonaten besonders unterstützt.
  • Der erhöhte Pflegegrad bleibt ohne weitere Begutachtung bis zum 18. Lebensmonat erhalten.

Wiederholungsbegutachtung bei Kleinkindern (Ausnahme)

Auch bei Kindern bis zum 18. Lebensmonat ist eine sogenannte Wiederholungsbegutachtung vorgesehen. Aber nur wenn z. B. durch einen operativen Eingriff eine Änderung der Selbstständigkeit zu erwarten ist.

Die Expertenkommission geht ab einem Alter von elf Jahren davon aus, dass das Kind in den nachfolgenden Modulen selbstständig ist, so lange es sich entsprech-end entwickelt hat.

Wann macht es Sinn einen Pflegeantrag für mein Kind stellen?

Einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung (Pflegeantrag) zu stellen macht immer dann Sinn, wenn der Hilfebedarf des Kindes bei den nachfolgenden Modulen höher ist als bei einem gleichaltrigen, gesunden Kind.

Das klingt zunächst für einige Leser ggf. ein wenig missverständlich. Gemeint ist hier der sozusagen „natürliche“ Hilfebedarf eines gesunden Kindes. Kinder benötigen immer die Hilfe von Erwachsenen und müssen zunächst alles erlernen, bevor sie bestimmte Dinge allein (selbständig) erledigen können. Säuglinge, Kleinkinder oder ältere Kinder mit Einschränkungen bestimmter Fähigkeiten benötigen aber mehr Hilfe oder bestimmte Hilfe länger, als eben vollständig gesunde Kinder.

Woher weiß der Gutachter (m/w) welchen Grad der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten im Vergleich zu einem gleichaltrigen, gesunden Kind mein Kind aufweist?

Die Expertenkommission hat für die Module 1,2,4 und 6 Tabellen zur Abbildung des altersentsprechenden Selbständigkeitsgrades/der altersentsprechenden Aus-prägung von Fähigkeiten erstellt. Siehe neues Begutachtungsassessment (NBA):

Modul 1: Mobilität

Entfällt bei Kindern im Alter bis zu 18. Monaten, außer Punkt 4.1.6:

Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob das Kind in der Lage ist ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen, zu wechseln und sich fortzubewegen.

Zu beurteilen sind ausschließlich motorische Aspekte wie Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination etc. und nicht die zielgerichtete Fortbewegung

Feststellung des altersentsprechenden Selbstständigkeitsgrades

Positionswechsel im Bett
unter 1 Monat unselbstständig
von 1 Monat bis unter 3 Monate überwiegend unselbstständig
von 3 Monaten bis unter 9 Monaten überwiegend selbstständig
ab 9 Monaten selbstständig
Halten einer stabilen Sitzposition
unter 6 Monaten unselbstständig
vom 6. Monat bis unter 8. Monat überwiegend unselbstständig
vom 8. Monat bis unter 9. Monat überwiegend selbstständig
ab 9. Monat selbstständig
Umsetzen
unter 6 Monaten unselbstständig
vom 6. Monat bis unter 9. Monat überwiegend unselbstständig
vom 9. Monat bis unter 11. Monat überwiegend selbstständig
ab 11. Monat selbstständig
Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
unter 12 Monaten unselbstständig
vom 12. Monat bis unter 13. Monat überwiegend unselbstständig
vom 13. Monat bis unter 18. Monat überwiegend selbstständig
ab 18. Monat selbstständig
Treppensteigen
unter 15 Monaten unselbstständig
vom 15. Monat bis unter 18. Monat überwiegend unselbstständig
vom 18. Monat bis unter 2,5 Jahre (30. Monat) überwiegend selbstständig
ab 2,5 Jahren (30. Monat) selbstständig

Entspricht die Selbstständigkeit ihres Kindes nicht diesen Angaben, ist ein Hilfebedarf bei Mobilität festzustellen.

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Dieses Modul entfällt bei Kindern im Alter bis zu 18 Monaten.

Die Einschätzung bezieht sich bei den Kriterien 4.2.1 bis 4.2.8 ausschließlich auf die kognitiven Funktionen und Aktivitäten. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte wie Erkennen, Entscheiden oder Steuern etc. und nicht die motorische Umsetzung.

Bei den Kriterien zur Kommunikation 4.2.9 bis 4.2.11 sind auch die Auswirkungen von Hör-, Sprech- oder Sprachstörungen zu berücksichtigen.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen unter anderem

(Quelle: Neues Begutachtungsassessment (NBA) des neuen Pflegestärkungsgesetzes)

Altersentsprechende kognitive Fähigkeiten

Bei der Prüfung und Bewertung der kognitiven Fähigkeiten ist das Alter des Kindes entscheidend. Kognitive Fähigkeiten werden im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) entsprechend nach Alter und Fähigkeit unterschieden.

Feststellung des altersentsprechenden Fähigkeiten

Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld

Dazu gehören Familienmitglieder, Nachbarn, ggf. aber auch Pflegekräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer.

unter 6 Wochen nicht vorhanden
ab 6. Woche bis unter 9. Monat in geringem Maße vorhanden
vom 9. Monat bis unter 15. Monat größtenteils vorhanden
ab 15. Monat vorhanden/unbeeinträchtigt

Örtliche Orientierung

Fähigkeit, sich in der räumlichen Umgebung zurechtzufinden, andere Orte gezielt anzusteuern und zu wissen, wo man sich befindet.

unter 13 Monaten nicht vorhanden
ab 13. Monat bis unter 18. Monat in geringem Maße vorhanden
vom 18. Monat bis unter 6 Jahren größtenteils vorhanden
ab 6 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Zeitliche Orientierung

Dazu gehören Uhrzeit, Tagesabschnitte (Vormittag, Nachmittag, Abend etc.), Jahreszeiten und die zeitliche Abfolge des eigenen Lebens. Aufschluss über die Fähigkeit zur zeitlichen Orientierung geben Antworten auf die Frage nach der Jahreszeit, dem Jahr, dem Wochentag, dem Monat oder der Tageszeit.

unter 2,5 Jahren nicht vorhanden
ab 2,5 Jahren bis unter 5 Jahren in geringem Maße vorhanden
ab 3 Jahren bis unter 5,5 Jahren größtenteils vorhanden
ab 5,5 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Erinnern an wesentliche Ereignisse und Beobachtungen

Fähigkeit, sich an kurz und auch länger zurückliegende Ereignisse oder Beobachtungen zu erinnern

unter 9 Monaten nicht vorhanden
vom 9. Monat bis unter 3 Jahren in geringem Maße vorhanden
vom 18. Monat bis unter 6 Jahren größtenteils vorhanden
ab 6. Jahr vorhanden/unbeeinträchtigt

Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen

Fähigkeit, zielgerichtete Handlungen des Lebensalltags, die eine Abfolge von Teilschritten umfassen, zu steuern

unter 5 Monaten nicht vorhanden
vom 5. Monat bis unter 12 Monaten in geringem Maße vorhanden
vom 12. Monat bis unter 15 Monaten größtenteils vorhanden
ab 15. Monat vorhanden/unbeeinträchtigt

Treffen von Entscheidungen im Alltag

Fähigkeit, zielgerichtete Handlungen des Lebensalltags, die eine Abfolge von Teilschritten umfassen, zu steuern

unter 5 Monaten nicht vorhanden
vom 5. Monat bis unter 12 Monaten in geringem Maße vorhanden
vom 12. Monat bis unter 15 Monaten größtenteils vorhanden
ab 15. Monat vorhanden/unbeeinträchtigt

Treffen von Entscheidungen im Alltag

Fähigkeit, folgerichtige und geeignete Entscheidungen im Alltag zu treffen.

unter 18 Monaten nicht vorhanden
vom 18. Monat bis unter 2,5 Jahren in geringem Maße vorhanden
von 2,5 Jahren bis unter 4,5 Jahren größtenteils vorhanden
ab 4,5 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Verstehen von Sachverhalten und Informationen

Bei Kindern unter vier Jahren ist eine Beurteilung nicht erforderlich.
Fähigkeit, Sachverhalte zu verstehen und Informationen inhaltlich einordnen zu können

unter 4 Jahren nicht vorhanden
vom 4. Jahr bis unter 5 Jahren in geringem Maße vorhanden
vom 5. Jahr bis unter 6 Jahren größtenteils vorhanden
ab 6 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Erkennen von Risiken und Gefahren

Bei Kindern unter zwei Jahren und sechs Monaten ist eine Beurteilung nicht erforderlich.

Fähigkeit, Risiken und Gefahren zu erkennen

unter 2,5 Jahren nicht vorhanden
von 2,5 Jahren bis unter 6,5 Jahren in geringem Maße vorhanden
von 6,5 Jahren bis unter 10 Jahren größtenteils vorhanden
ab 10 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Mitteilen von elementaren Bedürfnissen

Fähigkeit, elementare Bedürfnisse verbal oder nonverbal mitzuteilen

unter 3 Monaten nicht vorhanden
vom 3. Monat bis unter 13. Monat in geringem Maße vorhanden
von 13 Monaten bis unter 4 Jahren größtenteils vorhanden
ab 4 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Verstehen von Aufforderungen

Fähigkeit, Aufforderungen in Hinblick auf alltägliche Grundbedürfnisse zu verstehen. Zu alltäglichen Grundbedürfnissen gehören z. B. essen, trinken, sich kleiden, sich beschäftigen.

unter 16 Monaten nicht vorhanden
vom 16. Monat bis unter 18. Monat in geringem Maße vorhanden
vom 18 Monat bis unter 2,5 Jahren größtenteils vorhanden
ab 2,5 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Beteiligen an einem Gespräch

Fähigkeit, in einem Gespräch Gesprächsinhalte aufzunehmen, sinngerecht zu antworten und zur Weiterführung des Gesprächs Inhalte einzubringen

unter 15 Monaten nicht vorhanden
vom 15. Monat bis unter 2 Jahren in geringem Maße vorhanden
vom 2. Jahr bis unter 4 Jahren größtenteils vorhanden
ab 4 Jahren vorhanden/unbeeinträchtigt

Tipp an alle Eltern:

Wenn im Modul 2 kognitive Fähigkeitsstörung festgestellt wurden, ist es unglaubwürdig, wenn diese Fähigkeitsstörungen keinen Hilfebedarf in den Modulen 4 Selbstversorgung und 6 Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte verursachen.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Diese Modul ist altersunabhängig

In diesem Modul geht es um Verhaltensweisen und psychische Problemlagen als Folge von Gesundheitsproblemen, die immer wieder auftreten und personelle Unterstützung erforderlich machen. Es geht hier um Unterstützung des pflegebedürftigen Kindes

  • bei der Bewältigung von belastenden Emotionen (wie z. B. Panikattacken)
  • beim Abbau psychischer Spannungen und
  • bei der Impulssteuerung
  • bei der Förderung positiver Emotionen durch Ansprache oder körperliche Berührung
  • bei der Vermeidung von Gefährdungen im Lebensalltag
  • bei Tendenz zu selbstschädigendem Verhalten

Im Mittelpunkt dieses Moduls steht die Frage, inwieweit das Kind sein Verhalten ohne personelle Unterstützung steuern kann. Von fehlender „Selbststeuerung“ ist auch dann auszugehen, wenn ein Verhalten zwar nach Aufforderung abgestellt wird, aber danach immer wieder auftritt, weil das Verbot nicht verstanden wird oder das Kind sich nicht erinnern kann.

In diesem Modul wird bei der Vergabe der sog. Einzelpunkte anhand der Häufigkeit unterschieden in:

  • nie oder selten

  • selten (ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen)
  • häufig (zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich)
  • täglich

Nie oder selten 0 Einzelpunkte, selten 1 Einzelpunkt, häufig 3 Einzelpunkte, täglich 5 Einzelpunkte.

Zweifeln Sie das Gutachten an und geben Sie sich nicht mit dem Ergebnis zufrieden!
Bild 1: (c) Bundesweites Pflegenetzwerk (BWPN)

Häufige Fragen zum Widerspruch nach Pflegeantrag bei Kleinkindern

Wie lang ist die Bearbeitungszeit nach einem Pflegegrad-Widerspruch?2020-04-30T13:07:47+02:00

Regelmäßig informieren uns Pflegebedürftige darüber, dass Mitarbeiter(innen) der zuständigen Pflegekassen teilweise haarsträubende Bearbeitungszeiten nennen, wenn es um einen Pflegegrad-Widerspruch geht. Selbstverständlich wird dabei nicht vergessen eine Empfehlung auszusprechen „lieber den Widerspruch zurücknehmen und einen neuen Antrag stellen„.

Ein Neuantrag ist anstelle eines Widerspruchs keine Lösung!

In der Praxis vergehen nach Einreichung der Gegengutachten unserer unabhängiger Sachverständigen (w/m), im Rahmen vorgerichtlicher Widerspruchsverfahren, durchschnittlich sechs Wochen bis zum Widerspruchsbescheid der Pflegekasse.

Selbstverständlich gibt es auch Widerspruchsverfahren gegen einen Bescheid, oder besser gegen das Gutachten, der Pflegekassen, die mehr Zeit beanspruchen. Aber es gibt auch Verfahren, in denen bereits nach vier Wochen der entsprechende Bescheid vorliegt.

Stellungnahme zu längeren Bearbeitungszeiten der Pflegekassen

Einleitung zum besseren Verständnis

Die Pflegeversicherung wurde in Deutschland im Jahr 1995 eingeführt/etabliert. Die unabhängige Unterstützung der Sachverständigen des bundesweiten Pflegenetzwerks (BWPN) gibt es seit 1998. Wird dürfen also behaupten auf die Erfahrung „der ersten Stunden“ zurückgreifen zu können. Diese Erkenntnis ist insofern relevant, weil wir das Verhalten der Pflegeversicherung, und somit das Verhalten in verschiedenen Regionen, ja sogar einzelner Sachbearbeiter, seit Jahren kennenlernen durften und auch zukünftig beobachten werden.

Unsere persönliche Erfahrung zu längeren Bearbeitungszeiten

Eines haben ALLE Verfahren, die in all den Jahren länger als sechs Wochen (nach Einreichung einer stichhaltigen Argumentation) benötigt haben gemeinsam:

Es handelt sich um besonders willkürliches Verhalten!

Im Grunde genommen konnten wir in keinem einzigen dieser Verfahren einen ernsthaft nachvollziehbaren Grund für eine übermäßige Bearbeitungszeit erkennen. Ganz selten, z. B. in der Ferienzeit oder ggf. zur Weihnachtszeit, können mal 1-2 Wochen mehr vergehen, die sich natürlich erklären lassen.

In allen anderen Fällen handelt es sich um eine Art „Verschleppung“, die bis auf die Sachbearbeiterebene herunter geht.

Es gehört also schon eine ganze Menge Selbstverstrauen dazu, wenn die Mitarbeiter(innen) der Pflegekassen aufgrund dieser „verschleppten“ Fälle, eine so unnötig verlängerte Bearbeitungszeit nutzen, um Betroffene von einem Widerspruch gegen einen Pflegegrad abzuhalten.

Das Ganze nennt sich dann Pflegeberatung?!

Unsere Kernkompetenzen

Pflegegrad beantragen

Wir helfen Ihnen kostenlos beim Antrag auf einen Pflegegrad und geben Ihnen Tipps für die Begutachtung!

Pflegegrad höherstufen

Unsere Experten unterstützen Sie mit pflegefachlichem Sachverstand bei der Höherstufung des Pflegegrades!

Pflegegrad Widerspruch

Unabhängige Sachverständige erreichen mit fundierten Gegengutachten den höchst möglichen Pflegegrad im Widerspruch!

Reicht es, in der Widerspruchsbegründung die Punkte aufzuführen, die der Gutachter übersehen oder falsch dokumentiert hat?2019-09-30T10:48:38+02:00

Nein!

Wurde Ihr Pflegegrad abgelehnt oder zu gering eingestuft und Sie legen Widerspruch gegen den Bescheid der Pflegekasse ein, führt eine reine Gegendarstellung in der Praxis eher nicht zum Ziel!

Um mit einem Widerspruch gegen das MDK-Gutachen, bzw. gegen den Bescheid der Pflegekasse, Erfolg zu haben, ist es notwendig Argumente zu liefern, die sich auf das „Neue Begutachtungsassessment (NBA)“ berufen. Das ist eine Arbeit für Pflegesachverständige, die sich mit diesen Regeln auskennen.

Geben Sie nicht mit dem Bescheid der Pflegekasse zufrieden!
Die Pflegekasse setzt mir zur Einreichung der Widerspruchsbegründung eine Frist. Muss ich diese einhalten?2019-05-23T13:18:10+02:00

Die Frist der Pflegekasse ist nicht rechtlich bindend, sollte aber nicht kommentarlos übergangen werden. Empfehlenswert ist es, die Pflegekasse um schriftliche Fristverlängerung zu ersuchen.

Bedenken Sie aber, dass der Hilfebedarf zu einem späteren Zeitpunkt schwerer rückwirkend nachgewiesen werden kann und es daher immer sinnvoll ist, sich für die Begründung nicht zu viel Zeit zu lassen.

Kann es mir passieren, dass im Widerspruchsverfahren der gleiche Gutachter nochmal kommt?2019-05-23T13:15:44+02:00

Nein. Wenn es im Widerspruchsverfahren zu einer erneuten Begutachtung im Hausbesuch kommt, haben Sie das Recht, dass ein anderer Gutachter (w/m) kommt. Es darf nicht der/die gleiche sein wie in der Erstbegutachtung des gleichen Verfahrens.

Es muss ein anderer Gutachter (w/m) im Widerspruchsverfahren die Begutachtung durchführen!

Meldet sich ein Gutachter (w/m) bei Ihnen an, mit dem Sie früher bereits negative Erfahrungen gemacht haben, raten wir Ihnen, diesen wegen Befangenheit abzulehnen und um einen anderen Gutachter zu bitten.

Muss die Widerspruchsbegründung auch innerhalb eines Monats bei der Pflegekasse eingehen?2019-05-23T13:09:44+02:00

Nein. Die Begründung darf später nachgereicht werden. Innerhalb der Monatsfrist reicht es, formlos zu widersprechen und die folgende Begründung anzukündigen.

Wenn alles korrekt bei der Pflegekasse abwickelt wird (das ist leider nicht immer der Fall) erhalten Sie nach Eingang des formlose Widerspruchs eine Eingangsbestätigung. In dieser Eingangsbestätigung teilt die Pflegekasse meistens eine Frist mit. Bis zum genannten Datum erwartet die Pflegekasse dann die entsprechende Begründung.

Die genannte Frist sollte eingehalten werden, kann aber jederzeit verlängert werden!

Grundsätzlich ist es, im eigenen Interesse, sinnvoll ein Widerspruchsverfahren möglichst schnell zu bearbeiten. Sollten Sie aber die genannte Frist überhaupt nicht einhalten können, ist jederzeit eine Fristverlängerung bei der Pflegekasse möglich.

Warum werden die meisten privaten Widersprüche abgelehnt?2019-05-22T16:59:09+02:00

Es stimmt! Nur rund 10 % aller privat formulierten…oder besser angefertigten…Widerspruchsbegründungen führen zu einem Abhilfebscheid der Pflegekasse. In den meisten Fällen werden diese Widerspruchsverfahren sogar ohne neue Begutachtung, also nach Aktenlage, abgelehnt.

Aber warum ist das so?

Privatpersonen argumentieren nicht etwas gemäß der Regeln und halten sich dabei an das Neue Begutachtungsassessment (NBA). Privatpersonen formulieren fast immer emotional beschreiben mit viel Fleiß und Mühe den hohen Aufwand der täglichen Pflege.

Der Leser des Widerspruchs ist allerdings kein sentimentaler Mensch, sondern ein gestandener und im Normalfall sachlogisch denkender Gutachter (w/m) des MDK. Ein solcher Gutachter (w/m) interessiert sich nicht, oder nur sehr bedingt, für die täglichen Probleme pflegebedürftiger Menschen und noch weniger sind die tatsächlichen Probleme der pflegendenen Angehörigen relevant.

Schon aus rein beruflichen Gründen überzeugen einen solchen Gutachter (w/m) ausschließlich sachliche und fachliche Argumente, die sich zu dem auch noch auf das NBA stützen.

Wie muss ich den Widerspruch bei der Pflegekasse einreichen?2019-05-22T16:24:12+02:00

Grundsätzlich haben Sie die drei nachfolgenden Möglichkeiten einen Widerspruch gegen den Bescheid einer Pflegekasse einzureichen.

  • Schriftlich auf dem Postweg (per Einschreiben)
  • Schriftlich per Telefax
  • Zur Niederschrift (diktieren) in einer Geschäftsstelle Ihrer Pflegekasse

Wir empfehlen die Schriftform auf dem Postweg und per Einschreiben-Einwurf. Damit haben Sie einen schriftlichen Nachweis über die fristgerechte Zustellung.

Für welchen Weg Sie sich auch immer entscheiden, denken Sie unbedingt an die Einhaltung der Monatsfrist!

Der Versand eines Widerspruchs per E-Mail ist zwar generell möglich, aber definitiv nicht zu empfehlen!

Wie lange habe ich Zeit für einen Widerspruch?2019-05-14T12:39:03+02:00

Ein Widerspruch gegen den Bescheid einer Pflegekasse muss innerhalb eines Monats bei der Pflegekasse vorliegen. Dazu reicht es zunächst aus fristwahrenden Widerspruch einzulegen und darauf hinzuweisen, dass eine fachliche Widerspruchsbegründung nachgereicht wird.

Dabei ist das Datum des Bescheids der Pflegekasse maßgeblich. Es ist weniger relevant wann der Bescheid bei Ihnen zugestellt wurde.

Die Postlaufzeit liegt streng genommen also nicht etwa in der Verantwortung der Pflegekasse!

Kümmern Sie sich so zeitnah wie möglich um eine unabhängige pflegefachliche Beratung und rufen Sie am besten umgehend unter 0800/611 611 1 die Experten des bundesweiten Pflegenetzwerkes an. Kosten entstehend Ihnen durch ein solches Telefonat nicht!

Erst selbst versuchen und dann fachliche Hilfe beanspruchen?2019-03-12T11:01:41+02:00

Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise durchaus möglich, denn nach einem erfolglosen „Versuch“ bleibt ja noch der Widerspruchsausschuss und selbst danach können Profis noch das Klageverfahren begleiten.

Allerdings kostet jede einzelne Instanz eben auch Zeit. Darüber hinaus ist die Erfolgsaussicht zu Beginn (Anhörungsverfahren) für erfahrene Sachverständige (w/m) am höchsten. Das hat rein formale Gründe und hat nichts mit der Qualität der Arbeit unserer unabhängigen Sachverständigen (w/m) zu tun.

Statistisch sind nur rund 10 % aller privat formulierten Widerspruchsbegründungen erfolgreich. Wegen einer solch geringen Aussicht sollten Sie nicht die dringend notwendigen Leistungen der Pflegekasse aufs Spiel setzen und immer sofort nach Vorliegen eines entsprechenden Bescheids fachliche Hilfe beanspruchen!

Kann ich den Bericht eines Pflegegrad-Online-Rechners als Begründung einreichen?2019-03-12T10:50:18+02:00

Das ist aus fachlicher Sicht absolut nicht zu empfehlen und wird ganz sicher keinen Gutachter (w/m) des MDK zum Einlenken bewegen!

Riskieren Sie nicht Ihre Möglichkeiten auf gerechte Leistungen durch unsinnige Versprechen aus dem Internet!

Mit der Einführung der Pflegegrade im Jahr 2017 ist auch die Anzahl der Websites mit Informationen zu diesem Thema angestiegen. Viele dieser Websitebetreiber nutzen u. a. den Begriff „Pflegegradrechner“, um zunächst potenzielle Interessenten für eigene Dienstleistungen, dazu zu bewegen die eigene Website zu besuchen.

Leider suggieren alle Websitebetreiber langjährige Erfahrung und Kompetenz im Pflegebereich. Auf einige trifft dies auch durchaus zu, auf sehr viele leider nicht. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige benötigen in besonderen Lebenssituationen aber dringend fremde Hilfe und klammern sich dabei gern mal an den viel zitierten Strohhalm.

Die angebotenenen Pflegegradrechner sind kostenlos, erscheinen zeitgemäß und sind sehr einfach und recht zügig zu bedienen. All das verführt geradezu den fertigen Bericht einfach an die Pflegekasse zu senden und denen dadurch mal „klar zu zeigen“ wie schlimm die Pflegesituation tatsächlich ist…

Das klingt verlockend, ist in der Praxis allerdings generell ohne jegliche sachliche Überzeugungskraft!

Reicht ein formloser Widerspruch?2018-10-23T08:50:46+02:00

Die Antwort lautet eindeutig: NEIN!

In den letzten Jahren hat die Annahme zugenommen, dass ein einfacher Widerspruch ohne weitere Begründung ausreicht und dann „muss“ ein neuer Gutachter (w/m) kommen.
In erster Linie liegt diese gefährliche Fehleinschätzung vermutlich an der inzwischen großen Anzahl Websites mit Pflegegradrechnern und teilweise nicht praxisgerechten Empfehlungen.

Das ist absoluter Unsinn!

Eine solche Vorgehensweise führt mit einer über 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit zu einer Ablehnung nach Aktenlage! Bitte nutzen Sie gern eines unserer kostenlosen Formulare und beachten Sie die Monatsfrist. Danach muss aber eine, im besten Fall fachlich fundierte, Begründung…oder noch besser ein fachliches Gegengutachten…nachfolgen -> und zwar immer!

2020-04-01T14:59:39+02:00

Pflegegrade