Einleitung zum Pflegeantrag bei Senilität

Um zu ermitteln ob ein Pflegeantrag bei Senilität überhaupt Sinn macht, müssen wir uns zunächst mit dem Begriff „Senilität“ selbst beschäftigen.

Gibt es eine Definition zum Begriff „Senilität“ oder handelt es sich dabei um ein umgangssprachliches Wort?

Der Duden schreibt zur Senilität die nachfolgende Erläuterung:

durch Alter körperlich und geistig nicht mehr voll leistungsfähig; greisenhaft und in seinen Äußerungen und Handlungen mehr oder weniger kindisch

(Quelle: Duden)

Handelt es sich um einen umgangssprachlichen Begriff ist ein Pflegeantrag bei Senilität mit Sicherheit nicht möglich. Wenn es aber eine klare Erklärung (siehe grüner Kasten) dazu gibt, sind damit auch gemäß des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) anzuerkennende Einschränkungen verbunden.

Pflegeantrag bei Senilität

Wenn die Person im Alter nicht mehr voll leistungsfähig ist, bezeichnet dies die Medizin mit Senilität (ICD-10 R54 Senilität: Altersschwäche – Hohes Alter ohne Angaben einer Psychose – Seneszenz ohne Angaben einer Psychose)

In der Definition des Alterns wird unterschieden zwischen dem

  • primären Altern (physiologisches Altern) in Abwesenheit von Krankheiten und
  • sekundärem Altern (Verkürzen der Lebensspanne) z. B. durch Krankheiten, Bewegungsmangel, Fehlernährung oder Suchtmittelkonsum

Die Diagnose Demenz vom Typ Alzheimer wird auch als „Senile Demenz vom Typ Alzheimer“ bezeichnet. Es bedeutet in dem Fall eine im Alter auftretende Demenzform.

Wann macht ein Pflegeantrag bei Senilität Sinn?

Stellen Sie fest, dass bei einem Ihrer Angehörigen oder Bekannten die Leistungsfähigkeit nachlässt, sollten Sie versuchen herauszufinden, welche Lebensbereiche diese nachlassende Leistungsfähigkeit betrifft.

Wenn durch diese nachlassende Leistungsfähigkeit die Selbstversorgung lediglich in Bezug auf das Einkaufen, das Kochen, die Zubereitung von Mahlzeiten, die Wohnungsreinigung oder Behördengänge leidet und ein Hilfebedarf entsteht, macht es keinen Sinn einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegeantrag) zu stellen.

Dieser Hilfebedarf wird zwar bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder Medicproof (bei privat Versicherten) erfragt und dokumentiert, aber bei der Bewertung des Pflegegrades nicht berücksichtigt.

Dies bedeutet:

Ist eine Person nicht mehr in der Lage, die o. g. Bereiche der Selbstversorgung durchzuführen, muss sie sich diese Hilfe durch Angehörige, bzw. Bekannte erbitten oder professionelle Dienste beauftragen und selbst bezahlen. Die Pflegeversicherung ist für die Sicherstellung dieser (oben genannten) Selbstversorgung nicht zuständig.

Wenn sich aber die Einschränkungen auf die nachfolgenden detaillierten Bereiche beziehen, macht ein Pflegeantrag bei Senilität durchaus sehr viel Sinn!

Senilität ist kein eigenständiges Krankheitsbild im klassischen Sinn! Eine Senilität ist sozusagen dann zu bescheinigen, wenn alle anderen Diagnosen nicht zutreffend sind, aber dennoch die damit einhergehenden Einschränkungen auftreten.

Begutachtung nach Pflegeantrag bei Senilität

Die Gutachter (m/w) des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung und Medicproof haben die schwierige Aufgabe, in relativ kurzer Zeit im Hausbesuch zu ermitteln, ob eine Pflegebedürftigkeit aufgrund einer nachlassenden Leistungsfähigkeit vorliegt und wenn ja, in welchem Umfang.

Häufig ist die Person, die begutachtet wird in dieser Zeit extrem bemüht, den notwendigen Hilfebedarf z. B. bei der Körperpflege oder den Toilettengängen zu verschweigen. Diesen Menschen ist aus verständlichen Gründen ihr eigenes Schamgefühl „im Weg“ und auch Stolz spielt hier eine große Rolle.

Aus dem Grunde sollte auch keine Begutachtung im Rahmen eines Antrages auf Pflegeleistungen ohne Angehörige oder anderen Zeugen stattfinden.

Der Gesetzgeber hat in seinem sogenannten Pflegestärkungsgesetz II gefordert, dass neben der Anamnese- und Befunderhebung sowohl die eigenen Befunde, als auch Angaben von Betroffenen, Pflegepersonen, Pflegekräften oder anderen Stellen (z. B. behandelnden Ärzten) bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt werden müssen.

Wenn Sie beim Eintreffen des Gutachters (m/w) gleich darauf hinweisen, dass Sie nach der Begutachtung ein vertrauliches Gespräch führen möchten, haben Sie die Gelegenheit, ohne die antragstellende Person zu blamieren, den tatsächlichen Hilfebedarf mitzuteilen. Dies erleichtert dem Gutachter (m/w) die Einschätzung der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten.

Siehe auch gesetzlichen Vorgaben beim Verfahren der Feststellung von Pflegebedürftigkeit:

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4.5.2 F 1.2 Pflegerelevante Vorgeschichte (Anamnese), medizinische und pflegerische Angaben unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Selbstständigkeit oder die Fähigkeiten

Die persönliche Einschätzung der Betroffenen zu ihren derzeitigen gesundheitlichen und pflegerischen Problemen, Bedürfnissen und Veränderungswünschen ist zu erfassen. Es ist nach den pflegerelevanten Erkrankungen und Beschwerden zu fragen. Auch Tagesformschwankungen oder besondere Belastungen für die Pflegenden sind aufzunehmen.

Da zur nachlassenden Leistungsfähigkeit auch immer die kognitiven Fähigkeiten (kognitive Fähigkeiten = Wahrnehmen, Denken, Erkennen lernen) gehören, muss der Gutachter selbstverständlich die kognitiven Fähigkeiten prüfen.

Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen unter anderem

Die Gutachter (m/w) müssen neben der körperlichen „Gebrechlichkeit“ auch die geistigen und kognitiven Fähigkeiten ermitteln. Der festzustellende Pflegegrad ist somit nur anhand der Auswertung und Berücksichtigung aller vorliegenden Daten der betroffenen Person und der Befragung der an der Pflege und dem Leben der Person teilhabenden Mitmenschen möglich.

Dem „neuen Begutachtungsassessment (NBA)“, also den gesetzlichen Vorgaben beim Verfahren der Feststellung von Pflegebedürftigkeit, sind die Vorgaben an die Gutachter (m/w) des MDK und Medicproof bei der Ermittlung der gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen, zu entnehmen:

  • die Angaben der antragstellenden Person oder ihrer Bezugsperson zur pflegerischen Versorgungssituation, zur Vorgeschichte sowie Art und Ausmaß der Erkrankungen, bestimmen den notwendigen Untersuchungsumfang. Vorliegende pflegerelevante Befundberichte sind zu berücksichtigen. Die Gutachterin bzw. der Gutachter muss sich selbst ein Bild von den pflegerelevanten Schädigungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und Fähigkeiten der antragstellenden Person machen und diese dokumentieren. Dies geschieht durch Befragung, Untersuchung und Inaugenscheinnahme der antragstellenden Person mit „den fünf Sinnen“ ohne apparativen Aufwand.
  • die persönliche Einschätzung der Betroffenen zu ihren derzeitigen gesundheitlichen und pflegerischen Problemen, Bedürfnissen und Veränderungswünschen ist zu erfassen. Es ist nach den pflegerelevanten Erkrankungen und Beschwerden zu fragen. Auch Tagesformschwankungen oder besondere Belastungen für die Pflegenden sind aufzunehmen. Anamnestische Angaben zu kognitiven Fähigkeiten oder herausforderndem Verhalten sind im Hinblick auf die Bewertung der Module 2 und 3 zu erfragen und hier aufzunehmen. Besonders bei Erkrankungen mit wechselnder Symptomatik erleichtert dieses Vorgehen die nachfolgende gutachterliche Beurteilung der Selbständigkeit.
  • Nach der strukturierten Anamnese- und Befunderhebung erfolgt die Anwendung der sechs Module des Begutachtungsinstruments. Dabei muss die Gutachterin oder der Gutachter sowohl die eigenen Befunde als auch anamnestische Angaben von Betroffenen, Pflegepersonen, Pflegekräften oder anderen Stellen (z. B. behandelnden Ärzten) bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigen.

Der Begriff der Pflegebedürftigkeit (§ 14 SGB XI) definiert die Beeinträchtigungen, die zur Pflegebedürftigkeit im Sinne des Sozialgesetzbuches führen können:

  • Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchti-gungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können.